Meerschweinchen



Meerschweinchen sind muntere tagaktive Heimtiere, die sich auch in kleineren Wohnungen wohl fühlen, vorausgesetzt, das Gehege ist sowohl groß genug als auch ausreichend strukturiert. Herkömmliche Käfige sind für eine dauerhafte Unterbringung nicht geeignet. Da Meerschweinchen äußerst gesellige Tiere sind, dürfen sie niemals einzeln gehalten werden.


Meerschweinchen richtig halten

 

Meerschweinchen werden aufgrund ihres sanften Wesens gerne als Haustiere für Kinder empfohlen. Die munteren Nager sind zwar gut geeignete Wohnungstiere, allerdings weder die Kuscheltiere, für die sie fälschlich oft gehalten werden noch sehr pflegeleicht. Bei kleinen Kindern ist besondere Vorsicht geboten, damit das Meerschweinchen nicht zu grob angefasst oder gar fallen gelassen wird.


Meerschweinchen sind kein Spielzeug

 

Meerschweinchen verfügen über einen sehr zerbrechlichen Körperbau und erleiden schnell Quetschungen. Die kleinen Nager werden bei ausreichender Beschäftigung und viel Geduld bald handzahm, nehmen Futter aus der Hand und lassen sich bei vertrauensvoller Beziehung sogar gerne streicheln. Allerdings sollten Meerschweinchen sich jederzeit durch Flucht unerwünschten Streicheleinheiten entziehen können.


"Schreckstarre" statt Wohlbehagen

 

Dass Meerschweinchen sich nach dem Hochheben oft ganz ruhig verhalten, hat nicht unbedingt etwas mit Wohlbehagen zu tun. Kann das Tierchen nicht fliehen (etwa im engen Käfig) verfällt es in eine „Schreckstarre“, einen natürlichen „Totstell-Reflex“ und lässt alles widerstandslos über sich ergehen. Es kann es sich ja nicht wie Hund oder Katze durch Davonlaufen, Bellen oder Kratzen zur Wehr setzen. Diese Starre wird unwissentlich allzu häufig mit Wohlbefinden verwechselt, bedeutet in Wahrheit jedoch puren Stress für das arme Tierchen. Meerschweinchen, die solche Zugriffe durch Menschenhände häufig erdulden müssen, stumpfen ab und lassen schließlich alles willenlos mit sich geschehen. Meerschweinchen sind deshalb nur für Kinder geeignet, die Freude am Beobachten haben und den Tieren Fangen und häufiges Hochheben ersparen.


Meerschweinchen sind keine Einzelgänger

 

Meerschweinchen sind Sippentiere und fühlen sich am wohlsten, wenn sie zu dritt oder mehreren gehalten werden. Zwei Meerschweinchen sind grundsätzlich möglich, werden aber häufig träge. Am idealsten ist die Kombination zweier Weibchen mit einem kastrierten Böckchen. Als äußerst gesellige Tiere laufen sie im Gänsemarsch hintereinander her, verständigen sich mit gurrenden und quiekenden Lauten, berühren sich mit der Nase, beschnuppern sich oder klappern mit den Zähnen, um ein anderes Tier auf Distanz zu halten.


Meerschweinchen sind Fluchttiere

 

Wenn wir für die uns anvertrauten Meerschweinchen ein Stück naturnahen Lebensraum nachgestalten wollen, müssen wir uns an der Lebensweise ihrer Artgenossen in der Wildnis orientieren. Diese leben in den rauen Hochebenen Südamerikas bis in eine Höhe von 4000 Metern. Wild lebend verbringen sie die meiste Zeit mit der Nahrungssuche und legen große Distanzen zurück, um zu ihren Weideplätzen zu gelangen. Sie bewegen sich in Kolonien und benutzen stets dieselben Pfade. Meerschweinchen sind von Natur aus wehrlose Beutetiere. Sie flüchten bei Gefahr und gehen sofort in Deckung. Dabei bewegen sie sich stets von Unterschlupf zu Unterschlupf und meiden das offene Feld. Sie verbringen fast den gesamten Tag mit Nahrungssuche und Nagen, womit sie ihre ständig nachwachsenden Zähne abschleifen. Dazu brauchen sie zum einen ausreichend Platz und zum anderen ständig frisches geeignetes Material zum Abnagen.

 

Als Haustiere kamen Meerschweinchen bereits im 16. Jahrhundert zu uns nach Europa. Trotz ihrer 500-jährigen Domestikation haben die munteren Nager ihre ursprünglichen Instinkte und ihre Robustheit nicht verloren.


Einzelhaltung ist verboten

 

Die Einzelhaltung von Meerschweinchen ist nach dem neuen Bundestierschutzgesetz seit 1.1.2005 verboten. Dasselbe gilt für die Haltung eines Meerschweinchens mit einem Kaninchen, da ein Kaninchen niemals den Sozialkontakt mit einem Artgenossen ersetzen kann!


Auf Extremzuchten verzichten

 

Auf den Erwerb von Meerschweinchen aus Extremzucht mit überlangen Haaren oder übermäßigem Kleinwuchs sollte allerdings aus Tierschutzgründen verzichtet werden. Das lange Haarkleid verursacht viele Probleme und wird am besten regelmäßig gestutzt, da Bürsten für Meerschweinchen großen Streß bedeutet.


Zusammensetzung von Gruppen

 

Weibliche Meerschweinchen vertragen sich in der Regel besser als männliche, allerdings entstehen bei zu vielen Weibchen ohne Böckchen rasch Unstimmigkeiten. Kastrierte Böckchen können ebenfalls gut miteinander harmonieren, vorausgesetzt, der Lebensraum ist groß genug und kein Weibchen in der Nähe. Wie bereits erwähnt, fühlen sich Meerschweinchen in einer Gruppe am wohlsten. Die Kastration der Böckchen ist für eine harmonische Haltung unverzichtbar. Idealerweise wird ein Böckchen bereits vor der Geschlechtsreife im Alter von drei Wochen kastriert. Meerschweinchen Damen sind übrigens alle 14 Tage paarungsbereit und das bereits mit einem Alter von ca. 30 Tagen!


Unterbringung

 

Das neue Tierschutzgesetz schreibt eine Mindestgröße von 100x60x50 cm für zwei Tiere vor. Für jedes weitere erwachsene Tier muss die Grundfläche um mindestens 0,2m2 erweitert werden. Doch ein Käfig dieser Größe ist eher ein Gefängnis und als dauerhafte Unterbringung nicht geeignet, da Meerschweinchen sehr bewegungsfreudig sind und viele Versteckmöglichkeiten und abwechslungsreiche Gestaltung brauchen, um sich wohl zu fühlen. Ein herkömmlicher Käfig verdient deshalb die Bezeichnung artgerechte Tierhaltung allenfalls auf dem Papier! Ungeeignet sind deshalb Käfige, in denen nur ein Schlafhäuschen und Einstreu zu finden sind wie sie leider in vielen Zoogeschäften angeboten werden. Die kleinen Nager brauchen viel Platz und Abwechslung und sollen sich sicher von einem Unterschlupf zum nächsten bewegen können. Herkömmliche Käfighaltung ist deshalb niemals artgerecht! Für zwei bis drei Meerschweinchen sollten zumindest 3-4 Quadratmeter strukturierter Lebensraum zur Verfügung stehen, um ein bedürfnisgerechtes Leben zu bieten.


Eigenkonstruktionen mit Phantasie

 

Am empfehlenswertesten sind noch immer selbstgebaute Eigenkonstruktionen, etwa aus Spanplatten, ausgestattet mit (Kork)Röhren, Baumstücken, Rinden, Wurzeln, Steinen, Tannreisig zum Überdachen und (ungespritzen!)Ästen. Meerschweinchen klettern gerne auf mehreren Ebenen, die mit Treppchen oder Röhren miteinander verbunden sein können. Auf engem Raum kann ein Kasten sehr einfach und fantasievoll zu einem mehrstöckigen „Meerschweinchen-Hochhaus“ umgebaut werden. Eine andere Möglichkeit, den Lebensraum der Nager zu vergrößern, wäre die Verbindung mehrerer Käfige durch Rohre oder Treppchen. Meerschweinchen, die auf solche Weise gehalten werden, sind viel aktiver und es ist eine Freude, sie bei ihrem Treiben zu beobachten.


Vivarien als dekorative Alternative

 

Ausgezeichnet geeignet sind Vivarien aus durchsichtigem Plexiglas (Bezugsadresse siehe unten), die zudem äußerst attraktiv aussehen. Außerdem fällt bei Wettrennen keine Einstreu heraus. Wird ein Vivarium gegen andere Vierbeiner gesichert, niemals einen geschlossenen Kunststoffdeckel verwenden sondern einen luftdurchlässigen aus engem Drahtgeflecht.

 

Das Meerschweinchenheim darf übrigens nie direkt auf dem Boden aufgestellt werden sondern nur erhöht (mind. 60 cm). Die kleinen Nager sind sehr schreckhaft und empfinden Annäherungen von oben als sehr bedrohlich. Herzversagen ist dabei nicht ausgeschlossen!


Freigehege für Meerschweinchen

 

Ideale Bedingungen finden Meerschweinchen vor, die in gut strukturierten (siehe oben) und gegen Beutegreifer abgesicherten Freigehegen gehalten werden. Auch auf einem Balkon kann eine wunderbare geräumige Freianlage entstehen, die Meerschweinchen sogar einen ganzjährigen Aufenthalt im Freien bieten kann. Voraussetzung für eine Haltung im Freien sind wetterfeste Häuschen, mehrere Versteckmöglichkeiten, dazwischen genügend Platz zum Laufen, intensive Betreuung und ausreichender Schutz vor intensiver Sonneneinstrahlung. (Auf keinen Fall einen herkömmlichen Käfig ins Freie stellen. Es droht Überhitzung oder Erfrierung.)


Haltung nur in der Wohnung

 

Wer Meerschweinchen nur in der Wohnung halten kann, sollte unbedingt einen Lebensraum von mehreren Quadratmetern  (ca. 2 - 3 m2 für ein Pärchen) fantasievoll gestalten („Einrichtung“ immer wieder abwechseln). Was zählt, ist die Gesamtfläche, sodass sich bei Platzmangel wie bereits erwähnt auch aus mehreren mit Treppchen oder Röhren verbundenen Ebenen schnell einige Quadratmeter Lebensraum gestalten lassen.

 

Zeitweiser Freilauf in der Wohnung ersetzt strukturierten Lebensraum nicht, da Meerschweinchen offene Flächen scheuen und aus Mangel an Deckungsmöglichkeiten oft stundenlang etwa unter einem Regal ausharren. Ein Meerschweinchen bewegt sich nur, wenn es sicher von einem nahen Unterschlupf zum nächsten gelangen kann. Dieses Verhalten wird deshalb oft fälschlich als mangelndes Bewegungsbedürfnis interpretiert. Höchste Vorsicht ist außerdem bei Elektrokabeln und Giftpflanzen geboten!


Die geeignete Einstreu

 

Als Einstreu-Unterlage mehrere Lagen Zeitungspapier verwenden, als Einstreu ist Rindenmaterial für Kleintiere geeignet (keine Gartenmulch!), darüber Heu. Keinesfalls Stroh verwenden, es kann zu Augenverletzungen führen! Das Gesetz verbietet übrigens die Verwendung von Katzenstreu in Meerschweinchenkäfigen! Das Vivarium bzw. Gehege sollte mindestens ein bis zweimal pro Woche mit heißem Wasser gereinigt werden.


Gesunde Ernährung für Meerschweinchen

 

Frisches Trinkwasser und Heu muss ständig zur Verfügung stehen. Vor allem brauchen Meerschweinchen den ganzen Tag etwas zum Nagen, da ihre Zähne wie unsere Nägel ein Leben lang wachsen. Dauernde Kau- und Schleifbewegungen führen zu einem lebensnotwendigen Abschleifen der Zähne. Geeignet sind (ungespritzte) Äste, Holz- und Rindenstücke.

 

Zusätzlich brauchen die Tiere Grünfutter (Gras, Löwenzahn, Karotten, Äpfel, im Winter Grünkohl in Maßen), ergänzend Broccoli, Petersilie, Tomaten, Gurken, getrocknete Brennnesseln, Kiwi, Orangen oder Birnen Grünfutter niemals morgens füttern (Blähungen). Morgens deshalb erst immer frisches Heu anbieten, mittags bzw. abends Grünfutter und Körner. Unbedingt dreimal täglich füttern! Der Futternapf sollte so schwer sein, dass die Tiere ihn nicht umwerfen können. Als Wassergefäß ebenfalls ein schweres Tongefäß verwenden, keinesfalls die angebotenen Wasserspender, die zu einer unnatürlichen Körperhaltung zwingen.

 

Meerschweinchen können lebensnotwendiges Vitamin C wie wir Menschen nicht selbst bilden. Unbedingt ausreichend in der Nahrung und durch Futterzusätze (z.B. Tropfen im Wasser) anbieten.


Gesundheitscheck für Meerschweinchen

 

Vor allem Zähne und Krallen müssen häufig kontrolliert werden, damit es nicht zu schmerzhaften Erkrankungen kommt. Zahnfehlstellungen oder zu lange Zähne können dazu führen, dass ein Meerschweinchen vor dem gefüllten Futternapf verhungert!

 

Worauf noch zu achten ist:

Sind etwa die Krallen eingerollt?

Gibt es Veränderungen auf der Haut oder im Fell (Krusten, Haarausfall, kahle Stellen, Knöpfe)?

Ist der After sauber und nicht verklebt?

Sind die für uns sichtbaren Zähne in Ordnung?

Sind das Kinn und die Maulecken trocken?

Hat sich das Gewicht verändert?

Kommt das Meerschweinchen täglich zum Futter?


Meerschweinchen-Krankheiten

 

Auch bei Meerschweinchen gibt es typische Krankheiten. Wir haben eine kleine Übersicht für sie zusammen gestellt.