Kaninchen



Kaninchen wollen in der Erde buddeln, Nagen und soziale Kontakte zu ihresgleichen pflegen. Eine tiergerechte Haltung in einem Käfig ist deshalb nicht möglich. Wohl fühlen sich die lustigen Langohren nur in einem gut eingerichteten und sicheren Freigehege. Freilauf in der Wohnung ersetzt kein Außengehege, weil die Kaninchen ihre natürlichen Grundbedürfnisse (Graben, Benagen) nicht ausleben können.


(Zwerg)Kaninchen richtig halten

 

Kaninchen graben für ihr Leben gern. Es liegt in ihrer Natur. Wie trist müssen sich die springfreudigen Langohren nur in einem engen Käfig fühlen? Auch täglicher Freilauf in der Wohnung kann naturnahen Lebensraum niemals ersetzen. Wer seine Kaninchen liebt, gönnt ihnen einen fantasievolles Freigehege und zumindest einen Partner.

 

Kaninchen, insbesonders Zwergkaninchen, sind beliebte Heimtiere. Leider werden viele von ihnen ihr Leben lang unter artwidrigen Bedingungen in einem Käfig, gehalten. Das Wissen über die wirklichen Ansprüche von Kaninchen ist leider noch immer kaum verbreitet und orientiert sich häufig nach den Haltungsbedingungen der Schlachtkaninchen.

Viele Kaninchen fristen deshalb ein trauriges Schicksal in Einzelhaft und engen Käfigen. Dort können sie ihre Grundbedürfnisse nach Sozialkontakt, Bewegung und Graben nicht einmal ansatzweise ausleben. (Zwerg)Kaninchen sind für eine Wohnungshaltung ungeeignet, auch wenn der Handel diese Tatsache aus kommerziellen Gründen gerne verschweigt. Sie sind auch keine anspruchslosen Kuscheltiere für Kinder, die brav in ihrem Käfig sitzen und sich knuddeln lassen.

 

Um Kaninchen und Zwergkaninchen annähernd artgerecht zu halten, müssen wir uns an ihrer ursprünglichen Lebensweise orientieren und versuchen, ihnen ein Stück natürlichen Lebensraum zu gestalten.

So sehen glückliche Kaninchen aus. Ein Sandplatz, Rohre zum Verstecken, ausreichende Versteckmöglichkeiten, Sozialpartner und gesundes Futter...


Woher kommen unsere Hauskaninchen?

 

Unsere Hauskaninchen stammen alle von Wildkaninchen ab. Diese sind im südwestlichen Europa sehr verbreitet, kommen aber auch in nördlicheren Gebieten vor. Ihre Farbe ist grau-braun mit hell gefärbtem Bauch. Die Tiere sind klein und wiegen kaum mehr als zwei Kilogramm. Zoologisch gehören Wildkaninchen nicht zu den Nagetieren, obwohl sie über ständig wachsende Nagezähne verfügen, sondern werden den Hasenartigen zugeordnet. Trotzdem sind Kaninchen und Hase nicht verwandt und unterscheiden sich wesentlich in Sozialverhalten und Lebensweise. Widkaninchen leben revierbezogen in Sippen und schließen sich oft zu Kolonien zusammen. Sie graben weit verzweigte Tunnelsysteme mit mehreren Ein- und Ausgängen und vermehren sich sehr rasch.

hier noch einige Fotos von unseren Kaninchengehegen


Einzelhaltung ist Tierquälerei

 

Zwerg(kaninchen) sind äußerst gesellige Tiere, die niemals einzeln gehalten werden dürfen. Auch ein Meerschweinchen ist kein Ersatz für einen Artgenossen und natürlich auch kein Mensch. Selbst wenn wir uns einige Stunden täglich mit unserem Kaninchen beschäftigen (was schon ein sehr hoher Zeitaufwand wäre), können wir einen artgleichen Partner niemals ersetzen. Ein Kaninchen einzeln zu halten, nur damit es sich enger an uns Menschen anschließt, ist purer Egoismus und ein sehr fragwürdiger Haltungsgrund.

 

Seit dem neuen Bundestierschutzgesetz vom 1.1.2005 ist die Einzelhaltung von Kaninchen verboten. Unter dieses Verbot fällt auch die Haltung eines einzelnen Kaninchens mit einem einzelnen Meerschweinchen.


Kaninchen müssen graben können

 

Alle Kaninchen graben für ihr Leben gern und brauchen unbedingt einige Quadratmeter mit Naturboden, wo sie dieses für sie wichtige Grundbedürfnis ausleben können. Das ist in einer Wohnungshaltung nicht möglich! Nur in einem Freigehege können Kaninchen tiergerecht gehalten werden. Für zwei bis drei Kaninchen sollte man mindestens sechs bis acht Quadratmeter Außengehege vorsehen. Es gilt, umso größer, umso besser.

 

Das Gehege muss sowohl ausbruchsicher als auch gegen möglichen Beutegreifer geschützt sein. Ein Untergraben des Geheges wird verhindert, wenn man den Zaun rundum mindestens 50 cm in die Erde eingräbt. Auch nach oben muss ein Schutz gegen Überklettern bzw. Greifvögel vorhanden sein. Am besten wird das Gehege vollständig mit Draht abgesichert. Die Maschendichte sollte nicht größer als maximal 40 mal 40mm sein (Steckenbleiben mit dem Kopf!). Das Gehege soll hell aber vor praller Sonne geschützt sein. Es muss gut strukturiert werden und über mindestens eine wetterfeste Hütte sowie viele andere Deckungsmöglichkeiten verfügen.


Wie richte ich ein Gehege ein?

 

Als Baumaterial für Unterschlüpfe und Aussichtspunkte eigenen sich mit Tannästen überdeckte Wurzeln, Baumstümpfe, Betonröhren oder seitwärts gekippte Kisten. Ein Erdhügel mit einer Betonröhre dient sowohl als Versteck als auch Aussichtspunkt. Frische (ungespritzte) Äste von Obstbäumen, Rottannen, Buchen oder Haselnuss sowie Rindenstücke müssen als Nagematerial ständig verfügbar sein, da die Zähne der Kaninchen ein Leben lang nachwachsen.

 

Als Bodeneinstreu im Gehege empfiehlt sich Rindenmaterial, das bei der Reinigung (1-2mal wöchentlich) auch leicht zu entsorgen ist. Für eine gute Abnützung der Krallen empfiehlt es sich, auf stark frequentierten Plätzen etwa dem Eingang vor dem Häuschen einige Steinplatten aufzulegen. Die Einrichtung (außer dem Schutzhäuschen) sollte immer wieder ausgewechselt werden, um den Tieren stets neue Anreize zu bieten.

 

Immerhin werden Kaninchen bis zu zehn Jahre alt und die meiste Zeit davon verbringen sie ja in ihrem Gehege. Mobile Gehege, wie sie in vielen Zoogeschäften angeboten werden, sind völlig ungeeignet, da zu klein, zu niedrig, ungesichert und zu wenig strukturiert.

 

Hier einige Bilder unserer Nager-Außengehege:


Zusammensetzung einer Kaninchengruppe

 

Zwerg(kaninchen) brauchen andere Zwerg(kaninchen), um glücklich zu sein. Werden zwei Kaninchen zusammen gehalten, dann akzeptieren sich ein Weibchen und ein Männchen am besten. Weil Kaninchen sich rasend schnell vermehren, sollte das Männchen unbedingt kastriert werden.

 

Bezüglich Gruppenhaltung gilt, dass kastrierte Zwerg(kaninchen)böcke viel friedlicher zusammenleben als etwa Meerschweinchenböcke und meist auch friedlicher als unkastrierte Weibchen. Unkastrierte Männchen können keinesfalls gemeinsam gehalten werden (schlimme Kämpfe!). Bei der Zusammensetzung bereits erwachsener Tiere heißt es vor allem, Geduld haben, da es anfangs zu heftigen Rangordnungskämpfen kommen kann.

 

Ist das Gehege groß genug mit vielen Rückzugsmöglichkeiten, können sich die Tiere ausweichen und nach einigen Tagen, vielleicht erst Wochen, kehrt Ruhe ein im Gehege. Einem erwachsenen Tier sollte übrigens kein junges Tier zugesellt werden, das kann gefährlich werden oder gar tödlich enden. Bei gemischten Gruppen sollten die Weibchen im Verhältnis 2 bis 4 zu eins überwiegen. Der ideale Zeitpunkt für eine Kastration der Böcke liegt bei acht bis zehn Wochen, also noch vor Erreichen der Geschlechtsreife. Die Frühkastration hat viele Vorteile, stellt allerdings an die zu operierende Fachkraft gewisse Anforderungen.


Die Sprache der Kaninchen

 

Kaninchen kuscheln gerne mit ihresgleichen, lecken sich gegenseitig oder stupsen ihren Partner mit der Schnauze an. Sind genug Zärtlichkeiten ausgetauscht, wird der andere mit der Schnauze wieder weggeschoben. Kaninchen markieren außerdem ihr Revier und verständigen sich mit Hilfe von Duftstoffen, die in verschiedenen Drüsen produziert werden.

 

Gefühle wie Unsicherheit oder Angst drückt ein Kaninchen durch Klopfen mit beiden Hinterläufen auf den Boden aus. Meist folgt auf dieses Alarmsignal eine Fluchtreaktion oder auch Angriff. Freude drücken Kaninchen gerne durch muntere Sprünge und wendiges Hakenschlagen aus. Das kann ein Kaninchen natürlich nur in einem Gehege, wo es genügend Platz zur Verfügung hat.


Kaninchen sind Fluchttiere

 

Kaninchen sind wehrlose Tiere, die auf ihre schnellen Reaktionen zur Flucht angewiesen sind, um zu überleben. Die Annäherung an Kaninchen sollte deshalb immer sehr ruhig, geduldig und sanft erfolgen. Keinesfalls dürfen Kaninchen im Gehege gejagt werden, um hochgenommen zu werden.

 

Es ist die Aufgabe der Erwachsenen, Kinder im behutsamen Umgang mit Kaninchen zu unterweisen. Es gilt, mit den Augen schauen, nicht mit den Händen. Kaninchen werden am schnellsten handzahm, wenn sie mit Leckerbissen (am besten zu bestimmten Fütterungszeiten) gelockt werden.


Das Kaninchen in der Wohnung

 

Auf eine Neuanschaffung von Kaninchen ohne Außengehege sollte aus Tierliebe unbedingt verzichtet werden. Wer allerdings bereits Kaninchen in der Wohnung hält und keine Möglichkeit hat, nachträglich ein Außengehege zu errichten, kann zumindest versuchen, einen Teil eines Zimmers (mind. 4-6 Quadratmeter) abzutrennen (etwa mit einer Spanplattenkonstruktion) und mit naturnahen Materialien auszustatten, also Holzstücke, Baumstrünke, große Wurzeln, Röhren, Tannäste, Zweige, umgekippte Kisten und einen großen Topf bzw. Wanne mit Erde oder Sand zum Graben. Für künftige Kaninchen empfiehlt es sich im Interesse der Tiere, auf ihre Haltung in Wohnung oder Balkon zu verzichten. Keinesfalls darf Außenhaltung damit verwechselt werden, einen herkömmlichen Käfig nach draußen zu stellen. Die Kaninchen könnten an Hitzeschlag verenden oder mangels Bewegungsmöglichkeit sogar erfrieren!


Gesunde Ernährung für Kaninchen

 

Frisches Trinkwasser und Heu muss rund um die Uhr zur Verfügung stehen. Die moderne Fütterung mit Fertigfutter bietet keine tiergerechte Ernährung. Kaninchen müssen ständig fressen, damit die Verdauung in Gang bleibt. Um Blähungen zu vermeiden, steht bei der ersten Morgenfütterung nur frisches Heu und Wasser auf dem Speiseplan. Grünfutter, das natürlich bevorzugt wird, unbedingt erst einige Stunden nach der Erstfütterung verabreichen.

 

Abends können zusätzlich Körner angeboten werden. Dreimalige Fütterung ist für ein gesundes Kaninchen unbedingt notwendig. Als Grünfutter geeignet sind außer Gras und Löwenzahn natürlich Karotten, Äpfel, im Winter Grünkohl in Maßen, ergänzend Broccoli, Futterrüben, Sellerie, Endivien, Birnen sowie diverse Kräuter wie Salbei.

 

Auch Nagematerial wie Rindenstücke, Äste und Zweige muss ständig verfügbar sein. Brot ist aufgrund des hohen Kaloriengehalt nur beschränkt zum Nagen geeignet. Das Grünfutter in einem schweren Gefäß anbieten und täglich säubern. Als Wassergefäß ebenfalls ein schweres Tongefäß verwenden, keinesfalls die angebotenen Wasserspender, die zu einer unnatürlichen Körperhaltung zwingen und nicht hygienisch sind.

 

Eine Besonderheit der Kaninchen ist das Fressen des Blinddarmkotes, der sehr Vitamin-B-reich ist. Das passiert häufig nachts und ist völlig normal. Falls mehr ausgeschieden als gefressen wird, findet er sich in Form von hellen traubenförmigen Gebilden im Gehege und darf nicht mit Durchfall verwechselt werden.


Gesundheitscheck für (Zwerg-)kaninchen

 

Vor allem Zähne und Krallen müssen häufig kontrolliert werden, damit es nicht zu schmerzhaften Erkrankungen kommt. Zahnfehlstellungen oder zu lange Zähne können dazu führen, dass ein Kaninchen vor dem gefüllten Futternapf verhungert!

 

Worauf noch zu achten ist:

Sind etwa die Krallen eingerollt?

Gibt es Veränderungen auf der Haut oder im Fell (Krusten, Haarausfall, kahle Stellen, Knöpfe)?

Ist der After sauber und nicht verklebt? (Verletzungen können schnell zu Madenbefall führen.)

Sind die für uns sichtbaren Zähne in Ordnung?

Sind das Kinn und die Maulecken trocken?

Hat sich das Gewicht verändert?

Kommt das Kaninchen täglich zum Futter?


Typische Krankheiten bei Kaninchen

 

Es gibt typische Krankheiten, die bei Kaninchen auftreten. Wir haben eine kleine Übersicht zusammen gestellt.