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Bei
der Planung des Tierheimes Krems wurden erstmals modernste Kenntnisse
über Tierverhalten in die Praxis umgesetzt. Es entstand kein Tiergefängnis
mit endlosen Zwingerreihen sondern ein Vorzeigemodell für ganz Europa.
Dass trotz der hohen Qualität der Tierhaltung die Baukosten extrem
niedrig blieben, beweist, dass Gutes zugleich wirtschaftlich sein
kann.
Es muß
nicht unbedingt teuer sein, damit Tiere sich wohlfühlen. Viel
wichtiger ist es, ihr Verhalten exakt zu analysieren und ihre Bedürfnisse
zu verstehen. Fünf Jahre Vorbereitung, Kontakte mit Europas
führenden Tierverhaltensexperten und Tierheimbesichtigungen
im In- und Ausland ließen ein Konzept wachsen, das auf drei
Standbeinen aufbaut: Höchstmögliche Tiergerechtigkeit
und Wirtschaftlichkeit im Betrieb bei möglichst geringen Baukosten.
Maximal fünfzig
Hunde, siebzig Katzen und etwa zwanzig Nager finden im neuen Heim
optimale Bedingungen vor.
Die Katzenzimmer mit vorgelagerten Terassen liegen auf der besucherorientierten
Seite, weil Katzen als Augentiere gerne beobachten. Außerdem
ist die Lärmentwicklung geringer, weil Katzen ja nicht bellen,
wenn Leute sich nähern. Die hohen Zimmer werden mit erhöhten
Sitz,- und Rückzugsmöglichkeiten räumlich optimal
genützt. Katzen sind Individualisten. Sie arrangieren sich
zwar notgedrungen in großen (Zwangs)Gemeinschaften, leiden
dann aber häufig unter Dauerstreß. Im neuen Heim gibt
es deshalb mehrere kleine Zimmer für fünf bis sieben Tiere,
zwei größere Räume für Senioren und Langzeitgäste
bzw. Einzelunterbringung für Unverträgliche.
Ganz
gegensätzlich reagieren Hunde. Sie sind Rudeltiere und
brauchen ausreichende soziale Kontakte, um gesund zu bleiben, Streß
abzubauen und keine Hospitalismusformen zu entwickeln. Bei uns leben
sie deshalb vorwiegend in kontrollierten Kleingruppen von drei
bis fünf Tieren. Die Zimmer mit Außenbereich werden
mit unterschiedlich hohen Liegeplätzen ausgestattet, um Rangordnungen
zu festigen und Streitigkeiten zu kanalisieren. Knapp fünfzig
Quadratmeter stehen jeder Kleingruppe zur Verfügung. Für
Vierbeiner mit erhöhter Agressivität gegenüber gleichgeschlechtlichen
Artgenossen bzw. Rassen mit innerartlicher Agressivität sind
kleinere Einheiten vorgesehen, die doppelt oder einzeln belegt werden
können. Damit die Hunde ihren natürlichen Spiel- und Bewegungsdrang
ausleben können, verbringen sie täglich einige Stunden
in den vorgelagerten Spielwiesen, die mit natürlichen Materialien
strukturiert werden sollen. Hütten mit Flachdach, kleine Holztribünen
und grüne Verstecke sind geplant. Sie schaffen
Aussichtpunkte, machen das Gelände abwechslungsreich und helfen,
Spannungen innerhalb der Gruppe abzubauen. Die variablen Spielwiesen
können je nach Verträglichkeit der einzelnen Gruppen zusammengelegt
bzw. unterteilt werden.
Um
verhaltensauffällige Tiere kümmern sich erfahrene
Tiertrainer in der Franziskus Hundeschule,
die ebenso ratsuchenden Tierbesitzern offensteht.
Wohl fühlen
sollen sich auch unsere kleinsten Gäste. Kaninchen und
Meerschweinchen werden nicht in Käfige gesperrt sondern ihren
Bedürnissen entsprechend in abwechslungsreich gestalteten Auslaufgehegen
untergebracht. Für Exoten und Wildtiere ist nur eine vorübergehende
Betreuung vorgesehen. Diese Tiere, deren artgerechte Haltung sehr
aufwendig ist, werden weiterhin an entsprechende Wildtierstationen
und Experten weitergeleitet. Durch langjährige Kontakte mit
der Vet.Med.Univ.Wien und zahlreichen Spezialisten gelingt es uns
immer, einen vierbeinigen Notfall schnell an die richtige Adresse
zu vermitteln, wo professionelle Pflege garantiert ist.
Eine Wohnung für zwei Tierpfleger und unsere Ordination im
Eingangsbereich ermöglichen einen 24 Stunden-Tierrettungsdienst
und beste tierärztliche Betreuung. Ein kleiner ruhiger Trakt
des Gebäudes ist für Pensionsgäste vorgesehen. Tierfreunde,
die auf Urlaub fahren, haben die Gewißheit, ihre Lieblinge
wohlversorgt bei uns zu wissen. Für Pensionshunde stehen helle
freundliche Zimmer mit Spielwiese zur Verfügung, Katzen werden
je nach Wunsch in sonnigen Zimmern oder Kleingehegen untergebracht,
Nagetiere und Zimmervögel sind natürlich ebenso willkommen.
Um Besuchern
unserer Homepage einen Rundgang durch das Tierheim zu
ermöglichen und wissenschaftliche Studien zu fördern,
sind Webcams in den Tierzimmern vorgesehen. So wird
es in Zukunft möglich sein, das Verhalten der Tiere ungestört
und unbeeinflußt von äußeren Einflüssen zu
beobachten und zu bewerten.
In
nur fünf Monaten wurde unser neues Tierheim fertiggestellt.
Eine organisatorische Meisterleistung, die wir unserem Architekten
DI Erich Millbacher verdanken. Von ihm stammt auch die gesamte
Planung. Das Tierhaltekonzept hat Obfrau Andrea Specht entwickelt,
unterstützt von den Tierverhaltensexperten Univ.Prof. Dr.
Hermann Bubna-Littitz (Vet.Med.Univ.Wien) und Dr. Roger Mugford
(Animal Behaviour Center, London). Bei der Ordinationseinrichtung
hat uns Amtstierarzt Dr. Herbert Müller beraten. Damit
auch jeder Wasseranschluß, jede Steckdose und jeder Schalter
dort ist, wo er im täglichen Arbeitsbetrieb sein soll, haben
wir unsere Tierpfleger eng in die Detailplanung einbezogen. Denn
unser Heim sollte in jeder Weise nicht aus der Theorie sondern aus
der Praxis entstehen. Danke an alle, die ihr Wissen zur Verfügung
gestellt haben!
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