(
" ) & C O


( " ) H A R T E    S C H A L E

Krankheiten oder Leiden werden bei Schildkröten oft lange Zeit übersehen, weil sie unserem menschlichen Leidensmuster (Mimik, Klagen) nicht entsprechen.

SCHILDkröten

Schildkröten stellen hohe Haltungsansprüche
Krankheiten & Leiden

Ausgesetzt...

 

Schildkröten sind uralte faszinierende Überlebende längst vergangener Zeiten. Sie erreichen je nach Art ein sehr hohes Lebensalter bis zu siebzig Jahren und mehr. Trotzdem überleben fast neunzig Prozent aller im Handel angebotenen Schildkröten die ersten fünf Jahre nicht. Woran liegt das? In erster Linie daran, dass die Aufklärung in vielen Zoohandelungen sehr mangelhaft betrieben wird und der Verkauf der oft erst münzgroßen gepanzerten Winzlinge im Vordergrund steht. Die Schildkröte wird paradoxerweise sogar als besonders anspruchsloses Tier oder Kinderspielzeug angeboten. Beides sind Land- und Wasserschildkröten mit Sicherheit nicht.

Schildkröten stellen hohe Haltungsansprüche. Besonders in der ersten Wachstumsphase des noch weichen Panzers benötigen die Tiere viel UV-Licht. Im Terrarium muß mit einer UV-Lampe nachgeholfen werden. Wachstumsstörungen oder Mißbildungen sind meist auf UV-Mangel oder falsche Fütterung zurückzuführen. Landschildkröten brauchen sandig-erdigen Boden, um sich wohlzufühlen. Ein Kunststoffbehältnis ist denkbar ungeeignet. In der warmen Jahreszeit sollte die Landschildkröte die Möglichkeit bekommen, sich im Freien aufzuhalten. Neulinge unter den Schildkrötenhaltern dürfen nicht übersehen, den Garten oder das Gehege so zu sichern, dass die Schildkröten sich nicht durchgraben oder durchschlüpfen können. Ähnliches gilt für Wasserschildkröten. Plastikbecken mit Inselchen (wie vielerorts als Gag verkauft) sind unsinnig und eine Quälerei für die darin untergebrachten Tiere. Wasserschildkröten verschmutzen das Wasser in kleineren Becken schnell. Die Reinigung der Schildkrötenbehausung stellt deshalb einen nicht unerheblichen Zeitaufwand dar. Muß die Wasserschildkröte in einem durch Fäkalien und Futterreste verunreinigten Becken leben, erkrankt sie häufig schwer.

Krankheiten oder Leiden werden bei Schildkröten oft lange Zeit übersehen, weil sie unserem menschlichen Leidensmuster (Mimik, Klagen) nicht entsprechen. Die Aussage „Schildkröten sind nicht widerstandsfähiger. Sie sterben nur langsamer.“ trifft leider bei manchen Haltungen zu. Ein weiteres Problem, auf das Zoohändler ihre Kunden nicht immer hinweisen, ist das Wachstum der Schildkröten. Eine Wasserschildkröte, die etwa tellergroß auswächst, benötigt in der Folge ein um ein vielfaches größeres Behältnis. Die Behauptung, Schildkröten passen sich bei ihrem Wachstum der Größe des Behältnisses an, ist schlicht falsch.

Viele Wasserschildkröten, vor allem die Rotwangenschildkröte, werden deshalb von ihren Haltern einfach in Teiche, Seen oder Biotope ausgesetzt. Das führte in unseren Breiten bereits zu einem massiven Rückgang der heimischen Sumpfschildkröte, die der größeren Rotwangenschildkröte unterlegen ist. An einer solchen Faunaverfälschung heimischer Natur sind jene Händler, die bedenkenlos solche Tiere verkaufen, mitschuld. Heute ist der Verkauf der Rotwangenschildkröte bereits untersagt, doch die findigen Händler haben sie bereits durch eine andere Spezies ersetzt, die vermutlich bald ebenso häufig in Auen und Teichen anzutreffen sein wird: die Gelbwangenschildkröte.

 

( " )  TOP