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Tiervermittlung: Wie läuft das ab?

Warum werden so viele Tiere in Tierheimen abgeliefert?

Vor allem deshalb, weil es so leicht ist, Tiere zu bekommen, dass viele gar nicht erst darüber nachdenken, was Tierhaltung tatsächlich bedeutet. Tiere werden in Zeitungen inseriert, auf Anschlagtafeln gratis angeboten, sogar auf der Strasse wird mit Tieren gehandelt. Doch was so leichtfertig "erworben" wird, wird auch schnell wieder "entsorgt", wenn Probleme auftauchen.

Wir fragen nach

Was für manche so aussieht, als würden wir es Interessenten mit vielen Fragen unnötig schwer machen, hat einen realistischen Hintergrund. Tiervermittlung ist eine verantwortungsvolle Aufgabe und die nehmen wir sehr ernst. Immerhin hat jedes Tier, das bei uns im Heim lebt, schon mindestens einmal sein Zuhause verloren. Wenn es unser Haus verlässt, dann soll das ein Happyend für immer sein.

Zu unseren Öffnungszeiten von Mittwoch bis Samstag 14-16.30 Uhr beraten wir Besucher gerne zu allen Fragen rund ums (Haus)tier. Außerhalb dieser Zeit können wir uns nur nach telefonischer Vereinbarung um Besucher kümmern, da die Vormittage für die Versorgung unserer vielen Tiere, tägliche Reinigungsarbeiten und Tierarztvisiten gebraucht werden.

Etwas anders als in vielen Tierheimen stellen wir unsere Hunde nicht in ihren Zimmern sondern auf unserer großen Spielwiese vor dem Haus vor. Wir führen erst ein Gespräch mit Interessenten, um ein Bild von den Vorstellungen, Anforderungen und Lebensumständen zu erhalten. Anschließend stellen wir geeignete Hunde vor und unsere Besucher haben die Möglichkeit, in stressfreier Umgebung und ohne Leine Kontakt mit dem Tier aufzunehmen.

Warum kann man im Tierheim Krems nicht einfach durchgehen und sich einen Hund "aussuchen"?

Die Frage hören wir öfters und wir beantworten sie gerne. Diese Maßnahme dient einzig dem Schutz unserer Tiere. Jeder, der einmal ein Tierheim besucht hat, in dem die Hunde ungeschützt dem Besucherandrang ausgesetzt sind, kennt den ohrenbetäubenden Lärm hektisch bellender, wild hochspringender oder sich stereotyp im Kreis drehender Hunde. Tiere, die sich so gebärden, sind hoch gestresst und in Gefahr, Verhaltensstörungen zu entwickeln. Wenn ein Hund zu bellen beginnt, löst das eine Kettenreaktion im gesamten Tierheim aus.

Im Tierheim Krems werden Hunde bevorzugt in kleinen Gruppen gehalten, eine moderne und den Bedürfnissen der Hunde angepasste Haltungsform. Für das Funktionieren einer solchen Haltung ist es erforderlich, Streßfaktoren möglichst gering zu halten. Jede Störung von außen und sei sie noch so gutgemeint, kann zu Konflikten innerhalb der Gruppenstrukturen führen und sogar Raufereien mit sich ziehen. Doch auch verhaltensauffällige Hunde, mit denen unsere Trainer therapeutische Programme erarbeiten, könnten durch Provokationen (wenn auch unbeabsichtigt) großen Schaden erleiden.

Erstes Kennenlernen in ruhiger Atmosphäre

Auf der 2500 m2 großen eingezäunten Spielwiese vor dem Haus oder bei einem ruhigen Spaziergang gemeinsam mit einem Betreuer haben Hund und Mensch weit bessere Chancen, sich kennenzulernen als in einer lautstarken Streßsituation von Gitter zu Gitter. Natürlich ist unsere Art, Hunde vorzustellen, zeitaufwändiger als die alte Methode. Doch diese Zeit nehmen wir uns gerne, wenn es um das Wohl unserer Tiere geht.

Vertrauen aufbauen

Die optimalste Form der Hundevergabe ist die, bei der Interessent und Hund bereits eine Bindung zueinander entwickeln konnten. Gemeinsame Spaziergänge, Beschäftigung auf der großen Spielwiese und vorsichtiges Kennenlernen schafft Vertrauen, auf denen eine harmonische Mensch-Tier-Beziehung aufbaut. Deshalb legen wir Wert darauf, dass Interessenten mehrmals zu uns kommen und sich Zeit für das erste Kennenlernen nehmen. Solche Beziehungen haben die beste Chance, eine für´s ganze Leben zu werden. Und was sind schon einige Stunden, wenn es darum geht, eine Entscheidung für viele Jahre zu treffen?

Und wie ist das bei Katzen und Nagern?

Auch mit Interessenten für Katzen, Kaninchen oder Meerschweinchen führen wir erst ein Gespräch. Wir wollen ja wissen, mit welchen Vorstellungen Menschen zu uns kommen und wie wir ihnen am besten helfen können. Danach begleitet eine Tierbetreuerin unsere Besucher in die verschiedenen Katzenzimmer oder ins Nagerzimmer und erklärt die Eigenheiten und Bedürfnisse der einzelnen Tiere.

Sind Katzengitter wirklich notwendig?

Wir geben gerne zu, dass wir bei der Vermittlung einer Wohnungskatze auf der Montage von Katzengittern bestehen. Warum, hören wir dann manchmal, meine Katze ist niemals vom Fensterbrett abgestürzt. Das mag schon stimmen und wir wünschen jedem Katzenhalter ohne Schutzgitter, dass nie dergleichen passiert.

Immer öfter abgestürzte Katzen

Doch die Praxis spricht eine andere Sprache. Die Bergung abgestürzter und schwerst verletzter Hauskatzen ist bei uns an der Tagesordnung. Mittlerweile finden in der Stadt mehr Katzen den Tod durch Fensterstürze als im Strassenverkehr. Schon ein vorbeifliegender Schmetterling, ein Vogel, der den Jagdinstinkt weckt oder Erschrecken durch eine zuschlagende Türe reichen aus, um einen Absturz zu verursachen. Ein rechtzeitig angebrachtes Katzengitter kann Leben retten. Doch auch eine Katze im Erdgeschoß ist massiv gefährdet, wenn sie aus dem Fenster entwischt und vielleicht ins nächste Auto läuft.

Kaninchen nur mit Freigehege

(Zwerg)kaninchen brauchen die Möglichkeit, zu graben und zu nagen. Beides ist in einer Wohnungshaltung oder gar Käfighaltung nicht möglich. Deshalb vermitteln wir Kaninchen nur in eine Haltung, wo ein geräumiges gut strukturiertes und gesichertes Freigehege (mind. sechs Quadratmeter für zwei bis drei Kaninchen) und wenigstens ein Sozialpartner zur Verfügung steht.

Auch Meerschweinchen wollen tiergerecht leben

Meerschweinchen geben wir auch gerne in Wohnungshaltung ab, wenn die Unterbringung ebenfalls geräumig und ausreichend strukturiert ist.

Keinesfalls wollen wir, dass unsere Meerschweinchen in einem herkömmlichen Käfig "versauern" müssen. Sie sollen es sich ja durch eine Vermittlung verbessern und nicht verschlechtern. Wer unser "Abenteuerzimmer" für Kaninchen und Meerschweinchen schon einmal besucht hat, weiss, wie wir das meinen.

Um ungewollte Vermehrung zu verhindern (es gibt ja schon genug Kaninchen- und Meerschweinchen Notfälle), vermitteln wir weder Kaninchen noch Meerschweinchen zu unkastrierten Böckchen. Natürlich dürfen Meerschweinchen ebenfalls niemals einzeln gehalten werden (seit 1.1.2005 auch per Bundestierschutzgesetz vorgeschrieben).

Bitte die ganze Familie mitnehmen

Die Aufnahme eines Tieres bedeutet ein zusätzliches Familienmitglied. Es sollten deshalb alle künftigen Beteiligten in die Entscheidungsfindung miteinbezogen werden. Wird ein Zweithund als Gefährte für den bereits vorhandenen gesucht, dann wäre es nicht klug, diesen zu Hause zu lassen. Immerhin ist gegenseitige Sympathie der Vierbeiner ebenso wichtig wie die Vorstellungen ihrer Menschen.

Es kann zu Wartezeiten kommen

Das Tierheim Krems wird vom Tierschutzverein Krems fast ausschließlich aus Spendengeldern betrieben. Personal ist daher knapp und wenn wir an einem starken Nachmittag sehr viele Besucher begrüßen dürfen, jedoch nur zu dritt sind, kann es zu Wartezeiten kommen. Wir nehmen uns für jeden Interessenten viel Zeit und ersuchen deshalb unsere Besucher, sich ebenso Zeit für uns zu nehmen. Für sie haben wir extra einen Fernseh- und Lesebereich eingerichtet und einen Kaffeeautomaten aufgestellt.

Auf ins neue Zuhause

Haben sich Tier und Mensch gefunden, dann wird ein Tag vereinbart, an dem wir Hund, Katze oder Maus ins neue Zuhause bringen. Zuvor wird der Vierbeiner noch einmal von unserem Tierarzt durchgecheckt. Dieses Service bringt allen Beteiligten Vorteile, dem künftigen Tierbesitzer, der mit seinen Fragen nicht alleine gelassen wird, dem Tier, das von seiner/seinem vertrauten Betreuerin/in in sein neues Zuhause begleitet wird und uns, die wir uns mit ruhigem Gewissen von unserem vierbeinigen Schützling verabschieden können.

Was "kostet" ein Tier aus dem Tierheim?

Wir verlangen grundsätzlich keinen Kaufpreis sondern einen Betreuungsbeitrag für die erfolgten tierärztlichen Leistungen. Denn das Tierheim muss natürlich Impfungen, Entwurmungen oder Kastrationen aus eigener Tasche bezahlen. Unsere monatlichen Tierarztrechnungen liegen deshalb bei allem Entgegenkommen unseres Tierarztes bei etwa

€ 5000. Um diese hohen Aufwendungen finanzieren zu können und auch in Zukunft Tieren zu helfen, sind wir deshalb auf die Betreuungsbeiträge zur Finanzierung unseres Tierheimes angewiesen.

In diesem Sinne freuen wir uns auf Ihren Besuch!

Ihr Tierheim-Team und Vorstandussuchen

 

 
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